Hör’ nicht (immer) auf die anderen!

Hör' nicht (immer) auf die anderen!

Hör’ nicht (immer) auf die anderen!

Es war nur eine winzig kleine, eigentlich fast unbedeutende Szene. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob sie überhaupt jemand wahrgenommen hat. Aber sie beeindruckte mich und gab mir zu denken.

Es geschah am Rande einer SRSfußballschule. Der aus fünf verschiedenen Stationen bestehende Parcour stand an diesem Nachmittag unter dem Motto „Torschuss“. Als Trainer betreute ich eine dieser Stationen und hatte mit wechselnden Trainingsgruppen jeweils 15 Minuten Zeit für meine spezielle Übung mit den Jungen. Einer der kleineren Jungs in der betreffenden Trainingsgruppe war, sagen wir mal, noch eher ungeübt mit dem Ball am Fuß. Nennen wir ihn Fabian. Egal ob Haltung von Schuss- oder Standbein, Anlaufrichtung, Körperspannung – er brachte wirklich nicht viel zustande. Aber er war ja auch zum Üben da.

Zu allem Überfluss aber waren die anderen Jungs seiner Trainingsgruppe der Meinung, Fabian ständig sagen zu müssen, dass und wie und was er alles falsch macht. Ich wiederum versuchte daraufhin, verbal dagegen zu halten und ihn zu motivieren. Immer wieder gab ich Fabian Tipps und lobte fast schon überschwänglich, wenn etwas gelang. Plötzlich traf er sogar ins Tor. Aber noch bevor er sich freuen konnte, rief der gleichaltrige Junge, der auch nicht viel talentierter war und zu diesem Zeitpunkt im Tor stand: „Gilt nicht, gilt nicht! Du solltest mit links schießen. Aber du hast mit rechts geschossen.“

Das war Fabian zu viel. Er sank zu Boden und weinte. Das war frustrierend. Während ich die anderen weitermachen ließ, setzte ich mich zu ihm (wahrscheinlich auch um mich selbst davor zu schützen, diesen  Torwart zurechtzustutzen): „Komm schon, es geht weiter. Je öfter du es  versuchst, desto eher wird es klappen.“ Er: „Aber die anderen sagen immer,  ich mache alles falsch. Und ich kann das ja auch wirklich nicht.“ Darauf  ich: „Aber ich sage, du machst auch einiges gut.“ Er wieder: „Ja, aber die anderen…“ Ich wieder: „Weiß ich. Aber was sage denn ich dir als dein Trainer?“

So ging das eine Weile. „Ich sag dir jetzt mal was. Im Moment sind die anderen völlig unwichtig. Für die nächsten Minuten ist nur wichtig, was ich als dein Trainer dir sage. Lass die anderen reden und schreien. Was sie sagen, ist egal. Du hörst jetzt einfach nur auf mich.“ Er ließ sich  motivieren und machte weiter…

Wie gesagt, mich hat das nachdenklich gemacht: Wie oft geht es mir so,  dass ich vor lauter Geschrei, Hektik, Stress, Angst, Terror, Panik, Sorge und dem für unsere Zeit so typischen lauten Getöse um kleinste Kleinigkeiten gar nicht mehr richtig weiß, worauf ich hören soll? Wie leicht verliere ich die Orientierung, weil zu viele Leute und Internetseiten zu viele Tipps für alles Mögliche geben wollen? Auf wen höre ich eigentlich? Und: Wer setzt sich eigentlich zu mir, wenn ich mal wieder meine, alles falsch gemacht zu haben?

Mich tröstet, fasziniert und befreit es, dass der in der Bibel sich offenbarende Gott ein Gott ist,

– auf den es zu hören sich lohnt, weil Seine Worte unbändige Kraft haben (nachzulesen z.B. in Jesaja 55,8-13);
– der nicht mitschreit, sondern andere Wege geht, um sich verständlich zu machen (nachzulesen z.B. Jesaja 42,1-4);
– manchmal die leisen Töne bevorzugt (nachzulesen z.B. in 1.Könige 19,10-13);
– der sich „zu mir setzt“ und mich aufrichtet, wenn ich mal wieder meine, alles falsch zu machen (nachzulesen z.B. in 1. Johannes 1,9).

Für diesen meinen Gott will ich Menschen in meinem Umfeld gerne bei  jeder sich bietenden Gelegenheit begeistern!

Falk Winter
Leiter Bereich SRSgemeinde

Sportandacht SRS